Gemeinschaftspraxis für Innere Medizin, Psychosomatik und Psychotherapie, Erkrankungen der Bewegungsorgane und Regulationsmedizin
Internistische Hausarztpraxis
  
Wissenswertes & Hilfreiches > Medizin-Infos > Organtransplantation ohne Dauermedikamente
Letzte Aktualisierung:  29.03.2010

Organtransplantation ohne notwendige Unterdrückung der Immunabwehr?

Fortschritte in der Transplantationsmedizin eröffnen ungeahnte Möglichkeiten

Erstmals gelang es Wissenschaftlern, die natürliche Abstoßungsreaktion bei Mäusen, denen ein Herz transplantiert wurde, ohne Medikamente zu unterdrücken. Bislang müssen nach einer Organtransplantation in der Regel lebenslang Medikamente eingenommen werden, die die Immunabwehr lahm legen, um so einer Abstoßungsreaktion vorzubeugen.

Matthias Gunzer, Leiter des Forscherteams vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig, will das Verfahren auch beim Menschen überprüfen.

So genannte T-Effektorzellen, die bei der Abwehrreakton eine wichtige Rolle spielen, konnte das Team um Gunzer durch einen molekularen Trick aushebeln. Die Forscher griffen dabei in den Reifungsprozess der T-Zellen ein und veränderten diese so, dass sie für das Transplantat keine Gefahr mehr darstellen. "Dazu brachten wir noch nicht ausgereifte T-Zellen - so genannte T-Helferzellen - mit einem weiteren Zelltyp des Immunsystems, den B-Zellen, künstlich in sehr engen Kontakt", erläutert Gunzer das Vorgehen. Dabei stellte sich heraus, dass keine immunaktivierenden T-Effektorzellen sondern regulatorische T-Zellen heranreiften. Die Ursache für diesen Effekt haben die Wissenschaftler noch nicht heraus gefunden, aber Gunzer weiß, dass "die regulatorischen T-Zellen genau die entgegengesetzte Wirkung zu den T-Effektorzellen haben. Statt das Immunsystem zu aktivieren, bremsen sie die Abwehrreaktion."

Die durch B-Zellkontakt entstandenen regulatorischen T-Zellen injizierten sie anschließend in Mäuse. Die so behandelten Tiere erhielten dann in einer Operation ein neues Herz. Der Effekt fasziniert. "Eigentlich hätten die Mäuse das fremde Herz sofort abstoßen müssen, denn wir haben ihnen keine immun-unterdrückenden Medikamente verabreicht. Aber ihr Immunsystem hat das fremde Herz lange Zeit akzeptiert - ganz ohne medikamentöse Unterstützung", sagt Gunzer. "Das Immunsystem solcher Tiere ohne regulatorische T-Zellen hat die transplantierten Herzen dagegen in wenigen Tagen zerstört."

Ungeklärt bleibt bislang jedoch, ob das Immunsystem nach der Verabreichung von regulatorischen T-Zellen noch in der Lage sein wird, noch weiterhin Krankheitserreger zu erkennen und zu bekämpfen? Es könnte ja sein, das der Organismus nach einem solchen Eingriff den Angriffen von Viren und Bakterien schutzlos ausgeliefert ist.

Bis heute setzt die Medizin in erster Linie auf wirksame Immunsupressiva, also Medikamente, die das Abwehrsystem lähmen, - und wartet bisweilen mit spektakulären Erfolgen auf. So wurde bereits im September 1998 in Frankreich die erste erfolgreiche Handtransplantation durchgeführt, die erste beidseitige Transplantation folgte im Januar 2000 in Lyon. Fünf Jahre später zogen die Mediziner eine erste Bilanz. Bei beiden Patienten kam es im Laufe der Zeit zu milden bis mittelschweren Abstoßungsreaktionen, die aber erfolgreich behandelt werden konnten. Die Funktion der Hände erreicht unterdessen Werte von mehr als 60 Prozent derjenigen Gesunder. Die Beweglichkeit nahm im ersten Jahr stetig zu und stabilisierte sich im dritten Jahr. Ähnliches galt für die Schmerz- und Temperaturempfindlichkeit sowie die Greifkraft, die auch nach dem dritten Jahr noch zunahm.

Aktuelles:

05.04.12

Herzinfarkt

Erhöhtes Risiko bei Schlafstörungen


15.01.12

Handy und Hirntumore

Gefahren bei Kindern und Jugendlichen


06.11.11

B-Vitamin-Mangel:

Häufiger Grund für Beschwerden


zum Archiv ->