Nach dem Badespaß im See extrem juckende Quaddeln, die dann in kleine, derbe Knötchen übergehen, Fieber oder in seltenen Fällen gar ein Schock.
Sind Umweltgifte im Spiel? – Sie können beruhigt sein.
Wahrscheinlich handelt es sich um eine meistens harmlose Badedermatitis, auch Zerkariendermatitis genannt. (Eine Dermatitis ist eine entzündliche Hauterkrankung). Andere gebräuchliche Ausdrücke für die vor fast neunzig Jahren erstmals beschriebene Krankheit: Vogel-Bilharziose, Reisfeldkrätze, Hundsblattern, Entenflöhe, swimmers' itch, sowie Wasser- oder Weiherhippeln.

Die Badedermatitis wird in Mitteleuropa durch die Larven (Zerkarien) von Saugwürmern hervorgerufen. Diese Larven befinden sich im Wasser des Badesees und sind eigentlich auf der Suche nach Wasservögeln, in der Regel Enten, dem eigentlichen Wirt für die Weiterentwicklung der Tiere.
In der Ente wachsen die Larven zu Saugwürmern (Schistosomen) heran, mit dem Entenkot werden Eier ins Wasser ausgeschieden, über Süßwasserschnecken (Zwischenwirt) entstehen neue Larven. Bei Temperaturen über 20 Grad Celsius schwärmen die Larven aus den Schnecken in Wasser aus, eigentlich, um erneut Wasservögel zu befallen.
Wenn sich diese Larven nun aber "verirren" und statt der Haut eines Wasservogels die Haut eines menschlichen Schwimmers (Fehlwirt) durchbohren, sterben die Larven ab. Schlecht für die Larve – und schlecht für den Schwimmer.
Zehn Minuten nach dem Kontakt setzt ein Prickeln oder ein leichtes Jucken ein. An den Stellen, an denen die Larven eingedrungen sind, erscheinen etwa zwei Millimeter große gerötete Flecken. Nur bei wiederholtem Larvenbefall kommt es zur eigentlichen Dermatitis.
Die Badedermatitis ist daher ein "Sensibilisierungsphänomen". 10 bis 25 Stunden nach dem Eindringen der Zerkarien bekommen sensibilisierte Menschen drei bis acht Millimeter große Quaddeln. Am unangenehmsten ist das Jucken, das sehr viel stärker ist als nach einem Mückenstich. Die Quaddeln gehen nach Abklingen des Juckreizes in kleine, derbe Papeln über. Im Verlauf von 10 bis 20 Tagen heilen sie ohne Folgen ab.
Bei übersensibilisierten Patienten kann Fieber oder gar ein Schock auftreten. Starke allergische Reaktionen mit Schwindel, Schweißausbruch, Fieber und Übelkeit sind ein Notfall und müssen sofort behandelt werden. Rufen Sie unverzüglich einen Notarzt! Letzteres ist aber nicht die Regel, sondern die Ausnahme.
Das Aufkratzen der Quaddeln ist zu vermeiden, es kann zu zusätzlichen Infektionen kommen.
Eine Behandlung ist nur mit Kortison oder antiallergischen Medikamenten möglich.
Es gibt keine ökologisch vertretbare Bekämpfungsmethode der Larven.
Was Sie beachten sollten:
• Keine Enten füttern: Je mehr Futter, desto mehr Enten, mehr Kot und mehr Larven.
• flache und wasserpflanzenreiche Uferzonen meiden, weil sich hier die Wasserschnecken aufhalten.
• wasserfeste Sonnenschutzmittel verwenden,
• nach dem Baden kräftig mit Handtuch abtrocknen, damit nur teilweise in die Haut eingedrungene Parasiten entfernt werden und Badekleidung zügig wechseln sowie
• nicht kratzen, was Sekundärinfektionen verhindert.
Die Hauptschwärmzeit der Zerkarien beginnt mit der Badesaison im Frühsommer und dauert etwa eine Woche. Im Spätsommer gibt es einen zweiten Höhepunkt. Besonders nach Schönwetterperioden kommt es dann gehäuft zu Badedermatitiden.