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Letzte Aktualisierung:  07.09.2010

Geschichte des Osteopathie

Der Begründer der osteopathischen Medizin, kurz Osteopathie genannt, einer sanften Methode, die den Körper zur Selbstheilung anregt.
A. T. Still

Die Grundlagen der Osteopathischen Medizin, kurz Osteopathie genannt, wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch den amerikanischen Arzt und Chirurgen Andrew Taylor Still (1828-1917) gelegt. Im Jahr 1874 stellte er sein neues Konzept, eine neue Medizinphilosophie – die Osteopathie – vor.

A. T. Still beschäftigte sich intensiv mit Anatomie und Physiologie. In seinem Konzept der dreifach differenzierten Einheit des Menschen – der Einheit aus Körper, Seele und Geist – fand er  heraus, dass der Körper über Selbstheilungskräfte verfügt. Diese können bei entsprechender Stimulation körperliche und funktionelle Störungen heilen. Und diese Stimulation war durch gezielten mechanischen Druck seiner Hände auslösbar.

Der Grundgedanke seines neuen Konzeptes der Osteopathie stellte der Leitsatz „Leben ist Bewegung“ dar. Dieser bezog sich jedoch nicht nur auf das muskuloskelettale System, sondern auch auf die Weichteile, inneren Organe, Gefäße, Nerven bis hin zur Zelle.

Im Jahr 1892 gründete A. T. Still das erste osteopathische College in Kirksville (Missouri). Anfang des 20. Jahrhunderts gelangte die Osteopathie nach Europa. Ein Schüler Stills, John Martin Littlejohn, eröffnete 1917 in London die „British School of Osteopathy“.

Die Osteopathie fand eine rasante Weiterentwicklung. Sie verbreitete sich in den fünfziger Jahren nach Frankreich und schließlich nach ganz Europa. In Deutschland setzte sich die Osteopathie erst seit etwa 1980 durch und hat heute Verbreitung und Anerkennung gefunden.

Was ist Osteopathische Medizin?

Die Osteopathie stellt eine ganzheitliche, systemische Heilmethode mit A.T. Stills Grundsatz „Leben ist Bewegung“ dar.

Der menschliche Organismus stellt eine Einheit dar. Die Gewebe im Körper sind in Bewegung und alle Körperstrukturen sind durch feine Bindegewebshüllen, die so genannten Faszien, miteinander verbunden. Daher können Störungen in einem Bereich des Körpers zu Beschwerden in ganz anderen Körperregionen führen.

Der Körper kann als Gesamtheit nur dann optimal funktionieren, wenn seine Einzelfunktionen intakt sind. So bedingen sich Struktur und Funktion wechselseitig. Ist eine Struktur gestört, kann sie ihre Funktion nicht mehr ausführen. Ist eine Funktion beeinträchtigt, so kann dies zu einem strukturellen Schaden im Gewebe – einer Krankheit – führen. So funktioniert der Körper aufgrund der Möglichkeit, Bewegungen sowohl von Gelenken als auch feine rhythmische und unbewusste Bewegungen von Körperstrukturen und Organen auszuführen. Diese Zusammenhänge hat die Osteopathie differenziert ausgearbeitet.

Die osteopathische Medizin zeichnet sich aus durch eine manuelle Diagnostik und Therapie im Bewegungssystem, den inneren Organen und am Nervensystem aus. Dies ist auf die momentane und individuelle Situation des Patienten abgestimmt.

Ziel der Behandlung ist die verbesserte Durchblutung und Nervenversorgung aller Strukturen, um die gestörte Regulation des Organismus – und damit die Selbstheilung – wiederherzustellen. Dafür stehen eine Reihe von verschiedenen osteopathischen Techniken zur Verfügung. Damit werden die Selbstheilungskräfte des Körpers, die jeder in sich trägt, angeregt.

Die Osteopathie ist eine angewandte Wissenschaft, die sich auf neueste anatomische und physiologische Kenntnisse stützt. Ihre Einzigartigkeit besteht in der Kombination aus klinischem Verständnis, wissenschaftlichen Erkenntnissen und dem subtilen Gebrauch des osteopathischen „Werkzeugs“  –‚ der Hände. Denn die Hände werden als diagnostisches und therapeutisches Mittel eingesetzt.

Osteopathische Therapieformen

Bei den meisten Therapiemethoden handelt es sich um sogenannte „weiche“ Techniken. Sie verhelfen dem Körper zu einer schrittweisen Normalisierung der Regulation.

Es stehen im Rahmen der Osteopathie folgende Therapiemethoden zur Verfügung:
Die Counterstrain-Technik, die Muskelenergie Technik, die Myofascialen Techniken, die Functional-Technik nach Johnston, die Viscerale Technik und die Craniosakrale Technik.

Diese verschiedenen Methoden werden im Folgenden kurz dargestellt:

a) Counterstrain-Technik der Osteopathie:

Die Counterstrain-Technik wurde von Laurence H. Jones 1955 entwickelt. Es gibt ca. 200 druckschmerzhafte Muskel-Sehnenpunkte, die so genannten Tenderpunkte, deren Entstehung auf neuroreflektorische Mechanismen zurückzuführen ist. Diese Tenderpunkte werden mit den Fingern getastet, durch spezielle Lagerung von Gelenken zur Entspannung gebracht und behandelt bzw. gelöst.

Nach einer Counterstrain-Behandlung , meist nach der ersten Behandlung, kann eine allgemeine Reizbarkeit auftreten. Dies kann durch reichliche Flüssigkeitszufuhr reduziert werden.


b) Muskelenergie Technik der Osteopathie:

Fred Mitchell hat in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts diese Behandlungsmethode am Becken und den Iliosakralgelenken (den Gelenken zwischen Kreuzbein und Beckenschaufel)  entwickelt. Diese  Methode wurde weiterentwickelt und  kann an allen Gelenken und an der Wirbelsäule angewendet werden. So können Gelenkfunktionsstörungen durch gezielte Muskelanspannung und geführte Bewegungen aufgehoben werden. Diese Technik wird bevorzugt zur Behandlung von Fehlfunktionen an der Wirbelsäule.

Ziel der Behandlung ist es, die Beweglichkeit von Gelenken zu verbessern, hypertone Muskeln zu dehnen und die lokale Durchblutung  des Gewebes zu fördern.

Die osteopathische Medizin oder Osteopathie stellt die Balance im Körper bzw. in der Körper-Seele-Geist-Einheit wieder her.

c) Myofaszialen Techniken der Osteopathie:

Durch äußere Einflüsse kann es zu einem Missverhältnis zwischen Spannung und Entspannung im Gewebe kommen. Ziel der Behandlung ist es, die funktionelle, drei-dimensionale Symmetrie des Körpers, das heißt, die Balance im myofaszialen Gewebe,  wiederherzustellen. Dies ist über die Faszien zu erreichen. Die Faszien sind zarte Bindegewebshüllen, die die Muskeln umhüllen und im ganzen Körper in Verbindung stehen. An den Faszien werden spezielle Reize durch Druck und Zug gegeben. Damit  kann die Gewebespannung wieder normalisiert und somit eine Verbesserung der Gewebsdurchblutung und –beweglichkeit erzielt werden.

Tastbare Veränderungen des Gewebes, oft Auslöser unterschiedlichster Krankheiten, können durch die Osteopathische Medizin, kurz Osteopathie genannt, sanft beseitigt werden.

d) Functional-Technik der Osteopathie nach W. L. Johnston:

Es handelt sich um eine indirekte Behandlungstechnik. Sie orientiert sich an tastbaren Veränderungen des segmental zugeordneten Weichteilgewebes, die bereits nach Einführung einer kleinen Bewegung tastbar sind. Die Wirkung dieser Methode erfolgt über Reflexe am Rückenmark und zentralen Nervensystem.


e) Viscerale Technik der Osteopathie:

Bei der visceralen Osteopathie, die von dem Franzosen Jean-Pierre Barral begründet wurde, werden Störungen an inneren Organen bzw. Verspannungen an deren ligamentärer Aufhängung behandelt. (Ligamente sind bindegewebige „Bänder“, die die inneren Organe in ihren Positionen fixieren.).

Es werden Spannungsänderungen an den Organen ertastet und behandelt. Die Beweglichkeit der Organe (zum Beispiel durch die atmungsbedingte Zwerchfellbewegung ausgelöst) und auch deren Eigenbewegung (basierend auf  ihrer embryonalen Entwicklung) können zum Beispiel als Folge von Entzündungen oder nach operativen Eingriffen gestört sein. So können durch Mobilisierung der ligamentären Aufhängung eines Organes, durch Lösung von Verklebungen und Drainierung gestauten Gewebes  die Funktionen der Organe unterstützt und angeregt werden.

Solche Funktionsstörungen der Organe können auch über bestimmte Reflexwege, sog. viscerosomatische Reflexe, Störungen am Skelettsystem  verursachen. Dabei entstehen druckempfindliche Verquellungen im Bindegewebe, die je nach deren Lokalisation einen Hinweis auf ein gestörtes Organ geben.
 

Wohltuende Entspannung in der Osteopathischen Medizin. Dass die Osteopathie in der Lage ist, manche Krankheiten zu heilen, bei denen die "Schulmedizin" aufgegeben hat, ist mittlerweile vielen bekannt.

f) Craniosacrale Technik der Osteopathie

Die craniosakrale Technik (Cranium bedeutet Schädel und Sacrum Kreuzbein) ist auf William Garner Sutherland, einen Schüler Andrew Taylor Stills zurückzuführen. Er wies nach, dass die Schädelknochen keine starre Verbindung haben, das heißt, dass sie beweglich sind und sich in einem bestimmten Rhythmus, dem craniosacralem Rhythmus, ca. 8 – 12  mal pro Minute bewegen.

Dieser entsteht durch das in ständiger Zirkulation befindlichen Gehirnwasser (der so genannte Liquor cerebrospinalis) und wirkt sich über den Rückenmarkskanal bis zum Steißbein aus. Denn durch knöcherne Anheftungsstellen der Hirnhäute besteht eine  Verbindung vom Schädel bis zum Kreuzbein.

Der craniosacrale Rhythmus ist nach osteopathischer Lehre ein eigenständiger Rhythmus wie Herzschlag und Atmung. Das craniosakrale System steht in enger Verbindung mit dem gesamten Körper, so dass craniale Störungen verschiedenartige Folgen auf das neurovegetative System, auf das Gefäßsystem, das Hormonsystem, die Organe, Muskeln und Knochen haben können. Mit der craniosacralen Technik können Fehlfunktionen des Schädels und des Kreuzbeins ertastet und behandelt werden.

Anwendungsbereiche der Osteopathischen Medizin

Grundsätzlich richtet sie sich an Menschen aller Altersstufen bei funktionellen Störungen, chronischen Schmerzen, nach traumatischen Ereignissen wie zum Beispiel Unfällen, Verletzungen, Operationen etc..

Die osteopathische Therapie ist ganzheitlich orientiert. Sie ist eine Therapie ohne Schmerzen und das Ziel ist, die gestörte Regulation des Organismus wiederherzustellen.

Sowohl akute als auch chronische Beschwerden sind einer osteopathischen Behandlung zugänglich. Funktionelle Störungen können frühzeitig erkannt und behandelt werden. Dies trifft auch funktionelle Störungen zu, die Auslöser für strukturelle Störungen sein können. Häufig können solche Beschwerden Vorläufer von Erkrankungen sein.


So können zum Beispiel folgende Beschwerden Hinweise auf funktionelle Störung geben:

bei Säuglingen und Kindern:

• Schrei- und Spuckkinder
• der Schiefhals, eine Fehlhaltung des Kopfes nach einer Seite
• Trinkschwäche
• Asthma
• Koordinationsstörungen
• Skoliose
• Kopfschmerzen

    
bei Erwachsenen:

• Bewegungssystem:
Beschwerden an der Wirbelsäule und den Gelenken, zum Beispiel Rücken-, Nackenschmerzen, muskuläre Verspannungen, „Hexenschuss“, Schulter-Arm-Probleme, Kniegelenks- und Fußbeschwerden, kompensatorische Unterstützung bei degenerativen Erkrankungen, nach Verletzungen und Operationen

• HNO-Erkrankungen und Erkrankungen im Zahn-Mund-Kiefer-Bereich:
bei Schwindel, Tinnitus, Kopfschmerzen, Migräne, Beschwerden im Mund-Zahn-Kiefer-Bereich

• Internistischer Erkrankungen:
bei Verdauungsbeschwerden, Magenbeschwerden, Lungenleiden wie Asthma, chronische Bronchitis, bei Allergien, chronische Müdigkeit, Störungen des Immunsystems, lymphatische Stauungen              

• Gynäkologie:
zum Beispiel bei Menstruationsbeschwerden, klimakterischen Beschwerden, in der Schwangerschaft

• Urologie:
chronische Blasenbeschwerden, Prostatabeschwerden



Grenzen der Osteopathie:
akute Infekte, zum Beispiel bakterielle Entzündungen von Organen, Tumorerkrankungen
 

Behandlungsablauf und -dauer

Ablauf der osteopathischen Behandlung:

• Ausführliche Anamnese der aktuellen sowie von länger zurückliegenden Beschwerden
• Manuelle Diagnostik von Spannungsmustern und Bewegungseinschränkungen
• Manuelle Therapie mit den oben genannten Behandlungstechniken

Dauer einer osteopathischen Behandlung:

eine osteopathische Behandlung dauert in der Regel 25 bis 45 Minuten.

Die Behandlungsintervalle werden individuell bestimmt, das heißt je nach Beschwerdebild erfolgen die Folgebehandlungen im Abstand von zwei bis drei oder auch vier Wochen.

Sollten in schwierigen Fällen nach sechs bis acht Osteopathie-Sitzungen keine wesentliche Besserung der Beschwerden erreicht werden, dann sollten andere Therapiemaßnahmen erfolgen.

Behandlungskosten

Die osteopathische Behandlung ist nicht im Katalog der gesetzlichen Krankenkassen enthalten, das heißt die Abrechnung erfolgt nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Die Kosten betragen etwa 60-90 Euro pro Sitzung.

Nicht alle privaten Krankenversicherungen übernehmen die Behandlungskosten der Osteopathie ganz oder teilweise. Daher empfehlen wir, vor Behandlungsbeginn die Kostenübernahme mit der Krankenversicherung  zu klären.

Die osteopathische Behandlung wird in unserer Praxis von Frau Dr. med. Guda Sichardt-Jaschke, Fachärztin für Chirurgie, Schwerpunkt Unfallchirurgie, Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie, Sportmedizin, Akupunktur und Manuelle Medizin, durchgeführt. Frau Dr. Sichardt-Jaschke ist unter anderem Inhaberin des Diploms der Osteopathischen Medizin (D.O.M.TM) und des EROP Diploma Osteopathic Medicine TM.

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